Briefmarken Karibik. oder: Kassafrau a.D.

cornwall_kueste_netto


haben sie eine deutschlandkarte? fragt die kassafrau vom netto in oberhausen.
wohin solls denn gehen? fragt herbert der kunde. auf dem band liegen löwensenf, chicorée und mozarella.
wie bitte?
chicoreé gehört zur familie der korbblüter, sagt er.
sie wollen mich also wegtragen?
dahin wo es schön ist!
briefmarken-karibik?
ich bin zu ehrlich, sagt er.
ich zu arm, sagt sie. aber ich habe eine deutschlandkarte! und zieht sich schwupp die schürze vom leib. die kassa nehmen wir mit, aber die frau lassen wir da.
so wie es sich gehört.
nancy, sagt sie. ich lerne schnell.
angenehm herbert. ich lerne für das leben.
das nehmen wir mit. liebe ist unbezahlbar, so die kassafrau a.d., ein roadtrip kostet heute aber schnell das leben. wenn ich denn eines hätte.
aber, aber, sagt er.
aber das ist doch dasselbe! zweimal aber.
sie müssen nie wieder dasselbe sagen. das verspreche ich ihnen nancy.

cut.
die zwei stehen bei rügen. palmen.
wissen sie nancy, sie sind der einzige mensch den ich kenne, der die 30 noch nicht voll hat, aber einen richtigen job.
ich bin da irgendwie so reingerutscht.
sind sie versichert?
ein wenig...
faszinierend.
aber selfability habe ich trotzdem. und einen chef.
wie soll das denn gehen?

cut.
chemnitz. strand. wir essen senf und mozarella.
zahlen sie steuern?
jeden monat.
wissen sie nancy, sie sind ein bewundernswerter mensch. ein ehrlicher mensch.
der netto ist auch ein ehrlicher supermarkt. von der einrichtung her. es gibt keinen pfandflaschenautomaten, das machen wir kassafrauen selbst.
kundenbindung durch transparanz. oder einfach dadurch, dass alles länger dauert. dann haben die anderen schon geschlossen.
und doch wollen die alle wonaders hin. mit netto reisen.
einfach mal raus. einen tag offshore nehmen.
wenn ich nur wüßte wie das geht. da wo das geld liegt möchte ich auch liegen.
oder neben mir?
ach herbert. danke, dass sie das jetzt gesagt haben.

# abblende # cut # vorgarten # irgendwo in deutschen landen # lauer sommerabend, gegen 18 uhr # sie auf der terasse, die tischdecke ausbreitend # er im garten bei der chicoreé ernte # komm schatz, essen ist fertig #

Ole Einar Bjørndalen gibt

Ole Einar Bjørndalen gibt Jewgeni Garanitschew die Hand, Jewgeni Garanitschew gibt Arnd Peiffer die Hand, Arnd Pfeiffer gibt Fanny Horn Birkeland die Hand, Fanny Horn Birkeland gibt Alexia Runggaldier die Hand, Alexia Runggaldier gibt Emil Hegle Svendsen die Hand, Emil Hegle Svendsen gibt Johannes Thingnes Bø die Hand, Johannes Thingnes Bø gibt Simon Schempp die Hand, Simon Schempp gibt Selina Gasparin die Hand, Selina Gasparin gibt Dominik Landertinger die Hand, Dominik Landertinger gibt Galina Wischnewskaja die Hand, Galina Wischnewskaja gibt Marte Olsbu die Hand, Marte Olsbu gibt Peppe Femling die Hand, Peppe Femling gibt Martin Fourcade die Hand, Martin Fourcade gibt Tiril Eckhoff die Hand, Tiril Eckhoff gibt Scott Gow die Hand, Scott Gow gibt Gabriela Soukalová die Hand, Gabriela Soukalová gibt Anton Schipulin die Hand, Anton Schipulin gibt Konrad Bayer die Hand, Konrad Bayer gibt Konrad Bayer die Hand, gibt Konrad Bayer gibt Bayer gibt Konrad gibt Bayer.

Immanuel, bring mich um den Verstand

Song für eine Rock- oder Schlagermusikgruppe

Was kann ich wissen?
Sag du es mir!
Was soll ich tun?
Befiehl es mir!
Was darf ich hoffen?
Auf deine Strafe!
Was ist der Mensch?
Ich bin ein Tier!

Immanuel, Immanuel
bring mich um den Verstand
erzähle mir die Theorie vom Himmel
sei mein Rape Date heute Nacht

Sei erhaben über mich
bemächtige dich meiner
Mein Geist ist schwach
so ist mein Fleisch
sei die Kritik
an meiner Vernunft
und lass mich Lampe vergessen machen!

Immanuel, Immanuel
bring mich um den Verstand
erzähle mir die Theorie vom Himmel
sei mein Rape Date heute Nacht

Mach meinen Willen
zu deinem Vermögen
Ich bin erst wichtig
wenn du mich nimmst
falle über mich her
zerstör meinen Sinn
Lass nichts von mir übrig
außer ein Naturgesetz
das seine Gültigkeit
nicht mehr beweisen kann

Immanuel, Immanuel
bring mich um den Verstand
erzähle mir die Theorie vom Himmel
sei mein Rape Date heute Nacht

Wenn du die Ziele willst,
so will ich auch die Mittel
denn ich kann,
weil du willst,
was ich muss

Ach!
Immanuel, Immanuel
bring mich um den Verstand
erzähle mir die Theorie vom Himmel
sei mein Rape Date heute Nacht

...

die rettung fährt vorbei
das leben geht weiter.

101 Listen. #58: Listen Tirol 2016

Wir für alle (Flirsch) - Wir für Euch (Achenkirch) - Mia fia Enk (Aschau im Zillertal) - Miteinander, Füreinander (See) mit - a - nond (St. Anton Arlberg)

Wichtig ist Alpbach! - WiA!

gemma. gemeinsam-miteinander-aktiv (Kirchbichl)

Lebenswertes Pfunds
Gemeinsam für Pfunds
Junges Pfunds

Bauern Power (Kössen)

Bauern, Arbeiter, Zimmervermieter und Wirtschaft (Stummerberg)

Miteinander für Hippach
Gemeinsam für Hippach

Neuer Schwung für unsern Berg (Iselsberg-Stronach) -
Top Team Tristach, TTT - Langkampfen 2000 plus

- A -

"isch dir alles gleich, oda?"
"na, i bin a symmetrisch."

"bisch du eppa an autor?"
"na, i bin a lliteration."

"hasch zugnommen otto?"
"na, i bin konstant a nagramm."

"liebsch du mi so, wie i bin?"
"na schatzi, i hab a version."

"schausch du mature?"
"na, i schau a mateur."

"bisch du an pazifischt?"
"na, i bin a front, du schwuchtel."

"bisch du a guate partie?"
"na, i bin a ntipathie."

"bisch du a sozial?"
"na, i bin a sozial."

wrestling lyrik

R-Truth besiegt Heath Slater
nachdem Goldust Truth hilft.

René Pollesch Stücke als Friseursalons in Berlin als Eröffnungen im Schach

Kill your Darlings = haarscharfberlin = Läuferspiel
Der perfekte Tag = Salon Haareszeiten = Zweispringerspiel im Nachzug
Sozialistische Schauspieler sind schwerer von der Idee eines Regisseurs zu überzeugen = Friseur Kaiserschnitt = Königsgambit
Cappuccetto Rosso = James Blond = Sizilianische Verteidigung
Gasoline Bill = Friseursalon Tsunami = Grünfeld-Indisch
Cavalcade or Being a holy motor = notaufnahme = Verzögerte Abtauschvariante der Spanischen Partie
Eure ganz großen Themen sind weg! = Über Kurz oder Lang = Mittelgambit im Nachzug
Keiner findet sich schön = Bfriends Friseure = 50% Abgelehntes Damengambit und 50% Angenommenes Damengambit
Glanz und Elend der Kurtisanen = Salon Artgerecht = Orang-Utan-Eröffnung

Boutros Boutros-Ghali

mein lieblingsgedicht ist tot.

Abschnitte der Streif als Nominierte für die Goldene Himbeere in der Kategorie Schlechtestes Leinwandpaar als Kreuzer

Sprung in die Mausefalle = Will Ferrell und Nicole Kidman in Verliebt in eine Hexe = Torpedokreuzer
Kompression in der Mausefalle = Paris Hilton und entweder Christine Lakin oder Joel David Moore für The Hottie and the Nottie = Aufklärungskreuzer
Gschöss = Lindsay Lohan und Charlie Sheen in Scary Movie 5 = Dynamitkanonenkreuzer
Seidlalm-Sprung = George Clooney und Chris O’Donnell für Batman & Robin = Hilfskreuzer
Lärchenschuss = Halle Berry und entweder Benjamin Bratt oder Sharon Stone in Catwoman = Luftabwehrkreuzer
Hausbergkante = Tom Cruise und Brad Pitt für Interview mit einem Vampir = Kolonialkreuzer
Zielschuss-Kompression = Dennis Rodman und Jean-Claude Van Damme für Double Team = Panzerkreuzer
Zielsprung = Leonardo DiCaprio und Leonardo DiCaprio in Der Mann in der eisernen Maske = Silber-Kupfer-Kreuzer

2016 / 5

berlin berlin berlin. vom flughafen direkt in die volksbühne. wie ein geschäftsmann. aber ist es mittlerweile nicht tatsächlich eine dienstreise, berlin? arbeit für alle? oder aber hat es doch noch etwas heiliges, rituelles? weil, als ich davorstehe, vor der volksbühne, habe ich kurz den impuls mich davor niederzuknien. den boden zu küssen, den grausigen berliner schnee. das gefühl hier bin ich zuhause. das ist die wahrheit und wird vom grad der albernheit, der in ihr steckt, nur noch wahrer und überhaupt war mir noch nie etwas zu peinlich um es zu schreiben, wenn auch beim lesen im nachhinein ich mich selbst nicht fassen kann vor scham.
aber man müsste ohnehin so sein wollen, wie so eine durchgeknallte dostojewski figur. ein am hungertuch nagender student, der in alten kleidern gehüllt durch die verschneiten gassen von st. petersburg irrt, mit hunderten losen blättern unter dem arm, seinen mauskripten, um dann, in einem verrauchten salon, wilde und endlose monologe zu halten, gegen das bürgertum. dann verzweifeln, verarmen, tuberkulose und sich erschiessen. kurz gesagt: jemand sein wollen, der eine idee hat. und der sich dann natürlich vor einem theater in den schnee wirft und die hände faltet. (die geste!)
also pollesch. ich würde ja auch gerne mal was anderes gehen, aber die lassen mich nicht. glanz und elend der kurtisanen. sich selbst spielen, statt selbst sein wollen, heißt es da wenig überraschend. die geste im öffentlichen raum. der rauchende halbstarke sein oder die lady, oder der schriftsteller mit schreibmaschine und whisky-glas, der zwar nicht schreibt, aber im schriftsteller performen ernster ist, als diejenigen, die nur schreiben, ohne den ganzen glanz, ohne das spiel, das erst ernst macht aus der sache. das klingt schön, wenn es nur so wäre. (denn was soll man dann eigentlich von jemandem wie handke halten, der seine schriftstellerauthentizität in einer tour runterperformt, in großen gesten (alles in handschrift abgeben (nach wie vor!), spaziergänge etc etc). das mögen wir ja nicht. wollen wir das also nur sehen, wenn der autor selbst das spiel durchschaut, das er da treibt? oder ist es nur dann erträglich, wenn seine geste von vornherein eine macht-entsagende, phallus-ferne geste ist (zb eine queere geste), oder eine lächerliche (zb eine nerdige geste)? oder aber ist es eigentlich nicht doch schöner, denjenigen zuzusehen, die nicht reflektieren, was sie da tun, also nicht merken, dass sie spielen (als der schriftsteller schriftsteller war, wußte er nicht, dass er schriftsteller war.))
mir alles ein bisschen zu viel robert pfaller, dem der pollesch ja scheinbar tatsächlich viel abgewinnen kann, was ich verstehe, also diese art der pfaller rezeption, die die geste stark macht, das accessoire, aber dennoch geht mir der pfaller so gegen den strich naturgemäß, rein als person, was mir immer das wichtigste ist natürlich, so dass ich die ganze vorstellung hindurch so fitfy fifty bin und am ende schon an was ganz anderes denke, nämlich meine eigenen texte, die ich schreiben soll, aber das ist ja genau das richtige, weil ich ohne pollesch nie schriftsteller geworden wäre und also diese 110 prozentige inspiration, die pollesch für mich ist, natürlich immer dazu führt, selbst sofort schreiben zu wollen anstatt dem treiben auf der bühne zu folgen, das ich sowieso nicht verstehe, auch nach hundert pollesch stücken habe ich keine ahnung um was es da eigentlich geht, aber mich versteht auch keiner, egal. das ist mein fan verhalten: so wie der fan im angesicht des stars schreit (weil er sieht: er, der star, tut es! er hat dieses leben! (meine realität ist mein widerstand)), so schreie auch ich, in mir.
(übrigens haben sündemann und ich wiedermal youtuber angesehen, ein mädchen (melanie sophie) die ist, weil sie lesbisch ist. weshalb ihr alle zukreischen, junge mädchen und buben, in trauriger und selbstverachtender ängstlichkeit, die so stark ist, dass man denkt: jetzt zünden sie gleich eine bombe, wenn es nur die youtuberin befiehlt, diese teufelin, diese seelenverkäuferin, die ihr outing am altar des männlichen kapitals vollzogen hat, wie alle frauen vor ihr es ebenfalls tun mussten, nur ist sie noch schlimmer, wie malaparte weiß, weil:"es ist eine schande mit dem hunger der anderen sein spiel zu treiben."
ich selbst habe bekanntlich ja auch ein schwulsein gelebt einige jahre, nur um mir anerkennung, beifall und neid abzuholen, von denen, die verklemmt in ihrer faden hetero-falle festsitzen, oder noch schlimmer, in ihrer heimlichen homo-falle, weshalb ich weiß, wie verachtenswert das alles ist, oder aber kann ich mich dadurch retten, dass ich sage: ich habe es performt und bin deshalb vor dem herrn gerettet?
wie geht diese frage für die youtuber aus? alles ist den youtubern abgezogen, außer ihr bloßes sein, ihr selbst und ihr ich, und jetzt könnte man 1. sagen, es ist ebenfalls eine einzige sein-performance, die eben nicht dem terror des selbst gehorcht, oder aber man geiselt es 2. als das genaue gegenteil, nämlich stumpfen ich-faschismus, der natürlich ein wir-faschismus ist, weil er erzeugt, dass alle "so" sein wollen, auch wenn es tausende "so" gibt, während es ja darum gehen muss, gar nicht sein zu wollen und gleichzeitig aber auch nicht nicht sein zu wollen, also ein seins- und ich-agnostiker zu werden und endlich mal über was anderes nachzudenken, als über diese verschissene erste welt identitätsfrage, und vielleicht stimmt beides, 1. und 2., was das urteil über die youtuber angeht, ich glaube aber zweiteres, natürlich, weil diese youtuber dann eben doch nichts anderes sind als zombies und vampire, die heerscharen von verwirrten 13-jährigen zögligen das ich und das ego reinstopfen bis zum erbrechen, und diesen jungen dingern rattenfängerhaft angebote machen. die dieses bedürfnis zu sein ja erst hervorbringen, das in wahrheit ja kaum ein mensch hat, die also keine lösung, sondern das problem selbst sind, und zwar nur, um den angeblich mangelhaften dann dreist sich als lösung zu verkaufen, anstatt dass sie die zögerlinge zögerlinge sein lassen und sie nicht auf den kapitalismus vorbereiten, weil nichts anderes ist das ganze youtuber universum, als eine militärakademie für künftige opfer islamistischer attentate, die gar nicht wissen, wie und warum ihnen geschieht. hoppla.
ich habe das wirklich nie gebraucht, dieses vorgelebt werden, nie. ich habe überhaupt nie das bedürfnis gehabt, dass mir jemand zeigt "so könntest du auch sein", weil ich auch gar nicht das gefühl hatte, dass irgendjemand von mir verlangt mich positionieren oder finden zu müssen. jedenfalls wollte ich nie wie jemand sein, sondern höchstens nicht wie jemand sein. höchstens wollte ich wie jemand denken oder schreiben, aber das bloße sein war immer zu wenig. also eben: sein wollen, wie jemand, der eine idee hat. eine idee, die keine identität zuläßt, weil sie einen ja gleich wieder wegzerrt mit den gedanken und also dem sein, woanders hin, weil man irgendetwas verfolgt und hinterherläuft sinnlos. ideentidät.
jetzt ist es nur gut, dass ich so gerne ficke und saufe und auch dem wrestling zugeneigt bin, sonst wäre ich vollends ein staubgrauer intellektueller geworden, nur geist, kein körper, also eben wie einer dieser lumpenzerfledderten dostojewskistudenten, der ich ja aber immer nur sein will, aber nie geworden bin. das gebot der sexyness, diese schönste pflicht der kulturindustrie, hat mich dann doch, wie immer, gerettet und zerstört gleichermaßen.)
und übrigens hat pollesch doch tatsächlich mahlers adagietto verwendet. und dann ist etwas interessantes passiert: das ganze hat auf mich wenig eindruck gemacht. ich glaube, weil mahler ist mir dann eben doch wirklich heilig, während mir pollesch natürlich nicht heilig ist. das heilige ist eben nur im heiligen heilig. wenn es profan wird, ist es gar nicht mehr da. ich bin ja schließlich kein lutherianer!
ca. 50 bier später war ich dann am sonntag auch in marthaler, wo ich, wie beim letzten mal, am liebsten geweint hätte, wenn ich das könnte, weil es so so so schön ist. und weil die vergänglichkeit dem ganzen so sehr eingeschrieben ist. weil man dasitzt und weiß: das gibt es nur mehr wenige jahre. und dann ist es für immer und ewig und unwiderruflich verschwunden. noch ist es anachronistisch, auch wenn es natürlich radikaler und moderner und avantgardistischer ist als 99% des ganzen schnarchnasen theaters, aber trotzdem ist es bald ausgestorben. (überhaupt kann es einem zu denken geben, dass diese alten männer wie castorf und marthaler einen viel "moderneren" begriff von theater haben, wie irgendwelche dummstudierten handswerksregisseure die dann in der schaubühne oder im burgtheater ihren nonsens absabbern, wie ich ja überhaupt glaube, dass die konterrevolution sich breitmacht, weshalb marthaler und castorf dann eben doch nicht mordern sind, gott hab sie seelig.)
however: dankbarkeit. gibt es für mich nur im angesicht des todes. (dass ich das noch erleben darf.) und das ist dann sogar beyond heilig, sprich marthaler > mahler.


"ich bin nicht mehr in dieser welt?"
"nein."
"meiner blumen wegen?"
"ihrer blumen wegen."

...

60_10kiasma

joe brainard

2016 / 4

frühes aufwachen nach unruhiger nacht (trotz bewegung gestern und verausgabung). sündemann, die noch weniger schlafen konnte, steht um 6 auf, weil sie in heidelberg ein flüchtlingsprojekt dokumentiert. (ein werbefilm, oder, wie herzog sagen würde: ein gebrauchsfilm). ich bin froh, dass zumindest sündemann irgendetwas in dieser "angelegenheit" "tut". mir selbst fehlt der nötige realweltbezug. überhaupt habe ich es nur ihr zu verdanken, dass ich selbst nicht vollständig ein entpolitisierter, hedonistischer, immerzu "amazing!" ausrufender, alles schwierige ausblendender und nur aus pr-gründen schwul seiender unterhaltungskünstler geworden bin - zu dem ich mich sonst entwickelt hätte (oder mich meine vorhergehenden "affären" früher oder später, aber ganz sicher gemacht hätten.)

mein tagesplan ist simpel: unterwerfung von houellebecq kaufen und lesen. habe ich selbst für das lektüreseminar vorgeschlagen.
und das ausgerechnet heute, wo halb deutschland und ganz köln vollkommen durchdreht, wegen der übergriffe von geschätzt 1000, geschätzt arabern gegen feiernde frauen in der silvesternacht. das alles ist von hinten bis vorne so ekelhaft und falsch, dass einem der kopf explodieren möchte. ich lese also die ganzen zeitungen durch. im gegensatz zu gestern schreiben die, dass alle zeugenaussagen übereinstimmend von "nordafrikanisch..." aussehenden männern berichten. wer das nicht erwähnt, ist der österr. standard. dagen laufen die leser sturm. 2500 (!) postings in wenigen stunden, gegen den unprominent platzierten artikel über köln, der nichts von den zeugenaussagen wiedergibt. die leser drehen durch, wahnsinn. das standard forum ist mehr od weniger zu 100% am islamhetzen. das schreckt ja beinahe schon mich. (beinahe!) weil jetzt natürlich bei mir auch 10.000 glocken gleichzeitig am läuten. natürlich gibt es hier ein strukturelles problem. dieses problem heisst vor allem KAPITALISMUS, ihr vollspastis, davon redet aber keiner. aber natürlich heißt das problem auch islam. dass diese frauen nicht nur ausgeraubt, sondern misshandelt und gedemütigt wurden, naja, das hat mit armut allein wenig zu tun. gleichzeitig denke ich mir: na klar wollen die medien das nicht schreiben, weil sie wissen, dass es dann nicht mehr lange dauern wird, bis man statt den asylheimen deren insassen anzünden wird. schwierige entscheidung also. wie ging noch mal der ingeborg bachmann satz? und was würde denn die dazu sagen? sicher etwas klügeres als ich. mir fällt zu allem nichts mehr ein. ich bin so ausgedummt durch den ganzen schrott, den ich mir übers internet reinziehe, dass ich wirklich nur mehr wegen meinem ego schreibe, nicht aber aus besserem wissen.

also los - unterwerfung kaufen. nachdem ich weder in die mayersche noch in die buchhandlung bittner will (das arte der buchhandlungen kölns, also schrecklich, aber alles andere ist noch schlimmer) in die billigbuchhandlung, mängelwarenexemplare. nachdem ich mich heute selbst als ein solches empfinde, passt das ja ganz gut. unterwerfung haben die aber erwartungsgemäß nicht. ich kaufe josef winkler: mutter und der bleistift, alexander kluge: das bohren harter bretter und mary shelly: frankenstein. ich zögere lange vor der kassa. ist es wirklich das? bin ich so? aber was sonst? außer goetz, pollesch, dath, röggla und kracht vertraue ich keinem von den "jungen". und die gabs dort alle nicht.
also winkler, kluge, frankenstein. ein wahnsinniger, ein marxist und ein monster. passt eh, denke ich. und ich denke: "die jelinek würde das gut finden." (habe ich wirklich gedacht. überhaupt ist der mensch süß, wenn er sich in gedanken vor irgendwem rechtfertigt.)
dann doch buchhandlung bittner. der besitzer inszeniert sich als letzter intellektueller und spricht über "gute" amerikanische krimis. rundherum knien drei frauen mittleren alters und beten den herren an. köln also ganz in seinem element.
ich stürme hinaus und steuere auf die mayersche zu. da aber plötzlich noch eine buchhandlung! irgendsoeine dubiose katholische kleine buchhandlung. wie ein kloster. ich gehe hinein. eine bemerkenswert nonnenhafte, entschiedene und doch verbittert wirkende verkäuferin trabt auf mich zu. ja, sagt sie, houellebeq haben sie. während sie sich mühsam nach unten bückt, diese ruhige, katholische, am sexmarkt nullwertige, aufgrund ihres hohen alters in unserer westlichen gesellschaft sowieso hardcore dikskriminierte und verachtete und noch dazu schwer übergewichtige verkäuferin, um mir ausgerechnet michel houellebecq zu pflücken, da denke ich: zumindest das ist heute stimmig.

2016 / 3

"sei kein frosch!"
- das ist wirklich eine liebe aufmunterungsformel, obwohl das tier dabei so arg in misskredit gerät.

ähnlich folgende szene
jemand sagt zu mir: "du kannst so liebenswürdig sein, wenn du willst. warum bist du es so selten?"
"gerade deswegen." antworte ich.
(siehe auch: "wer schlechtes nicht mit wucht verwirft, weiß nicht was liebe heißt" m.w.)

das paradox ist also der argwohn, der aus dem wissen stammt, dass alles so ganz anders sein sollte. wie anders alles sein sollte, das nicht zu vergessen, das ist die größte anstrengung, weil es einen ja auch ständig um den verstand bringt, den loszuwerden man in schwachen momenten ja immer geneigt ist, dann aber doch nichts übers herz (!) bringt.
auf die jesuischarlie und tricolore-profilbild einfärbenden franzosenfaschos trifft besagtes kunststück freilich nicht zu. da verhält es sich einfacher:
zum jahrestag von charlie hebdo bringt es die zeit, na wer sonst, auf den punkt. über einen dokumentarfilm (na-no-na-net-titel: je suis charlie), der termingerecht erscheint, heisst es da in bezug auf die solidaritäts- und traueraufmärsche nach den attentaten:
"Welch Freude, Teil dieses Volkes in Paris zu sein", schwärmt die Off-Stimme zu den Bildern von den Menschenmassen am 11. Januar. So viel Pathos kann man sich kaum entziehen.
so offen wurde faschismus seit adolf hitler nicht mehr gelebt.
europa hat sich selbst verboten.
der islamismus hat auf allen ebenen gesiegt.
ihr trottel.

Zubereitung von Essen durch Hitze als Dirigenten des Neujahrskonzertes der Wiener Philharmoniker als Produkte der Marke Frosch

Kochen = Claudio Abbado = Grapefruit Fett-Entferner
Frittieren = Zubin Mehta = Mandelmilch Pflegeseife
Garen = Lorin Maazel = Gallseife Flecken-Zwerg
Backen = Franz-Welser Möst = Raumerfrischer Vanillekipferl
Braten = Herbert von Karajan = Aloe Vera Sensitiv-Waschpulver
Dämpfen = Nikolaus Harnoncourt = Citrus Spül-Balsam
Mikrowelle = Gustavo Dudamel = Wäsche Weich Baby
Auftauen = Willi Boskovsky = Essig Kalklöse-Essenz

images

2016 / 2

zum 2. mal there will be blood schauen. danach paul thomas anderson interview lesen: das filmemachen lernt man übers audiokommentar schauen, sagt er.

wir tun es:
audiokommentar werner herzog zu fata morgana. über sich sagt er: "mit 18 bin ich nach dem abi sofort in den kongo, weil da alles zusammengebrochen ist, dieses chaos, diesen prähistorischen zustand wollte ich mir ansehen. zum glück habe ich es nicht bis zum kongo geschafft, weil ich in (??) so schwer krank wurde. alle anderen journalisten, künstler und ähnliche, die hat man alle umgebracht."
zum dreh von fata morgana ähnliches: "dort bekamen wir malaria, da wurden wir eingesperrt, hier haben wir uns verirrt, in dem brunnen war auch kein wasser..." etc etc.
und das auf diese herzog art. die unaufgeregteste art vom totalem freak-dasein zu sprechen, von todesbereitschaft.
bessenheit, künstler-künstler - von denen kann ich nichts lernen. das ist angeboren. aber was ist mir angeboren? sicher auch eine menge.
ich lass es sie wissen.

leistung und vergnügen

Franz-Xaver Franz Drama-Queen

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Lebensmensch - 2016-02-24 13:50
2016 / 5
berlin berlin berlin. vom flughafen direkt in die volksbühne....
Lebensmensch - 2016-02-19 14:25

and i quote

"Mit Honig auf dem Kopf tue ich natürlich etwas, was mit denken zu tun hat." Joseph Beuys
[Macro error in site.sidebarItems: Wrapped org.xml.sax.SAXParseException; lineNumber: 48; columnNumber: 81; Attribute name "async" associated with an element type "script" must be followed by the ' = ' character. (/usr/local/helma/apps/twoday_net/modules/modWeather/Global/modWeather.js#44)]

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