everything i do

ich bin so ein trottel das ist unglaublich ich treffe dieses mädchen omg schaut super aus und das weiß sie eh selber, ich halt mich ja auch für so geil haha dabei ich bin der letzte mensch was mache ich denn hier auf den allgemeinplätzen, ich schalt mich auf 50%, nichts zu schräges ooohhh oder zu schlaues hhmmmm, aber der depp bin ich was bin ich denn, so ein schlaffer schwanz, dann wedle ich herum um sie den ganzen abend und bekomme eine abfuhr, ich habs so verdient ich möchte es gleich nochmal bekommen das rückt mich vlt gerade wer bin ich denn? egal. heimkommen, nein vorher noch in die kneipe, hat schon zu ich klopfe ans fenster ich sag zu dem wirt: ich brauch noch ein bier und ich glaube ich sage es so dass er versteht was los ist und er lässt mich rein und diese abgeschmackte eigentlich ja eklige männersolidarität knallt mir grad voll rein gefühlsmäßig ich bin so froh dass ich rein darf und wtf da läuft dann echt grad die internationale ich glaub ich spinn, und da sitze ich mit den anderen drei verlierern, und komisch nur wenn ich der größte looser bin fühl ich mich als mann das ist ja immer so die ganzen jammerlappen die rumsülzer die beleidigten die armen männer jetzt bin ich einer von ihnen, da sitze ich und die spielen würfel und ich trinke zwei bier und dann zwei schnaps und dann noch zwei kölsch, ich knall mich weg wie zündel in genua und die verstehen das und fragen nach aber ich sag fuck it und sie spielen weiter und mein gott ich habe mich so aufgehoben gefühlt und ich möchte das nicht lächerlich finden müssen fuck you all wenn ihr das lächerlich findet oder zu blöd, alte männer kacke, ja fuck you all ich kann halt auch nicht anders. dann heim mit einer taxifahrerin die macht nur nachtschicht seit 24 jahren nur nachtschicht, so wie ich und dann heim und dann bereue ich alles so, das ausgehen das girl, haha ich bin so ein softie und langsam zu alt warum war das früher so einfach und ich sehne mich plötzlich nach jemandem und das ist ianina. völlig schlagartig denke ich an ianina so fest dass ich weinen muss, jetzt ist es acht monate her dass sie gestorben ist und ich denke an sie und dann knallts mir nochmal so richtig rein und ich lese ihre gedichte und ihre tweets und dann schreib ich selber welche, und wir beide haben die beste nacht, die sonne geht schon auf, die geilste nacht. wir haben uns nie persönlich getroffen, wir habens uns vorgenommen oh mann ich habs so verschissen, ich liebe sie wirklich sehr so sehr und ich verspreche ihr: „ok ianina, ich fike nur mehr mit leuten die ich mag iiiiiii prooomise, bryan adams gemeindebau fuck allllllleeee fuck aaaaallllll“
so haben wir uns kennengelernt auf twitter, über bryan adams everything i do haben wir geschrieben und sie so: ich drehs jetzt voll laut auf und mach das fenster auf dass es der ganze gemeindebau hört, oh mann ianina du warst echt die beste ganz ehrlich aber mein laptop ist kaputt, die soundkarte, ich hab vor zwei wochen so fest auf den laptop geschlagen vor wut dass keine musik mehr geht und ich kann verdammt nochmal nicht everything i do i do it for you hören und aber weißt du was ianina: gut so, weil ich machs nicht mehr für dich oder irgendwen, nur mehr für mich, ich verstell mich nicht mehr und nicht mehr 50% xaver, ich werds nicht schaffen aber ich geb mir mühe, ich sperr mich in die hündehütte und dann dreh ich ganz laut auf, ich versprechs. bussi tausendmal und noch tausendmal und noch tausendmal ianina. noch tausendmal.

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"das interaktive theater war ein jahrzehntelanger terror. eine widerliche kunstform der geselligkeit. aber man kann nicht ihm allein den zustand katastrophaler kommunikation anlasten, denn überhaupt stellt das auditorium jedes theaters eine schreckliche form der gemeinschaft dar, die glaubt, einen sinn zu teilen und die gesellschaft als eine sinngemeinschaft zu verstehen, und die für kommunikation hält, sich dauernd einen abwesenden sinn mitzuteilen."
rene "i love fernsehen"pollesch

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pop burger baden
porno burger pop
baden baden burger?

porno porno pop
pop porno porno
baden porno pop

baden baden meinhof
bürger porno pop

bla bla kuss

da fällt mir ein dass ich jemanden kenne, also zwei, die haben sich zum ersten mal gesehen in einer bar, bzw sogar in einem restaurant was noch viel crazyer ist, und die sind dann vor die türe und haben sich geküsst. ohne vorher ein wort miteinander zu reden einfach geküsst und das ist das schönste was ich wirklich weiß von menschen die ich richtig kenne und übrigens sind die jetzt ein paar mit kindern, aber das macht nichts. also mit der geschichte macht es nichts mein ich, auch wenn die beiden sich nach der einen nacht wieder getrennt hätten wurscht, also natürlich irre jetzt ist auch noch die große liebe draus geworden hallo! aber dieser moment damals mein gott stell dir das vor, einfach sich sehen und dann rausgehen gemeinsam, oder der eine „geht rauchen“ und die andere kommt nach, oh my god ich schmelz dahin ehrlich, also raus beide vor die tür, herzklopfen hoch tausend und schon wissen was passieren wird aber noch nicht dran glauben weils nie passiert und dann passiert es aber doch. und dann ist es volle schön, na eh klar, wenn so was passiert dann magic moment, darauf kann man vertrauen, das sagt mir das universum das mir sonst echt nie was sagt aber das sagt es mir eben schon, dass das dann ganz sicher einfach nur wow.
so. aber ich immer blabla, ich bin der oberblabla die ganze zeit die goschn offen ich halts selbst nicht mehr aus mein gelaber, mann da kenne ich ja viele, die ganzen ultra-egomanen. übrigens bei tinder, das nicht habe, hätte ich auch angst vor dem gelaber obwohl mir ja jetzt wer erzählt hat dass die dritte chatnachricht schon das erste dick-pic (schwanzfoto) ist, was natürlich das gegenteil von wow ist nämlich wäh. egal also ihr kennt ja diese leute die um 4 uhr in der früh dasitzen und nicht aufhören können zu laaaabern und die sich dabei schon selbst auf die nerven gehen, entsetzt daneben stehen neben sich wie in so einem asiatischen körper-verlassen-ding oder lsd und sich dabei zusehen wie sie ihre klappe zwanghaft immer und immer wieder öffnen müssen und sich dafür hassen und ach! wie selten passiert es dass das gegenüber einen dann eeendlich küsst.
nur in filmen ist das so, da ist es aber immer die frau die quasselt vor nervosität und unsicherheit und dann wird sie geküsst vom mannn. und bei einem ehepaar da ist es dann die frau die kokett den mann zum schweigen bringt in diesen filmen, das machen die in kalifornien draus die deppen, aber die wissen eben was wirklich schön ist im leben, gibts eh nicht viel, und die kalifornier müssen das schöne wissen damit sie unser leben in der hand haben und uns hin halten können fuck hollywood und wehe wenn der antiamerikanismus jetzt komplett vom is erobert wird, das muss verhindert werden, bush ist schuld der war der schlimmste niemand redet mehr drüber egal wo war ich? ach ja bei dem endlos gelaber und dann geht es immer so weiter und weiter und hast du schon diese und jene serie gesehen und warum gibt es keine linke mehr und bilderbuch jetzt coole band oder nicht und weiter und weiter und verdammt wer küsst mich jetzt endlich? das nämlich macht aus mir einen prinzen: die fresse halten.

Stufen des Betrunkenseins als Bücher von Judith Butler als Tele Versionen

Übertreibung der Freundschaft = Anmerkungen zu einer performativen Theorie der Versammlung = Teleportation

Singen regionaler Lieder = Hass spricht = Telekom Austria

Beleidigungen der Autorität = Psyche der Macht. Das Subjekt der Unterwerfung = Telepathie

Verneinen oder Leugnen des Offensichtlichen = Das Unbehagen der Geschlechter = Teletubbies

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verdammt warum sind da so gute freunde in tirol und gute familie und überhaupt alles volle schön und fein und fesch die leut, das ist ja echt die hölle da nicht wohnen zu können aber es geht einfach nicht, die restmenschen sind zu grausig in dem land das glaubt ja keiner wie grausig die leut in der schönsten natur sind, als ob eine wiesen oder der sonnenuntergang das schöne raussaugt aus den menschen was aber nicht sein kann weil die leut ja nicht leer sind sondern voll mit wäh wo kommt das denn her, während in köln wo die grausigste stadt ist was gibt die leut eh ganz nett sind, bissi assi aber echt ok also warum kommen die nicht alle nach tirol und wir schmeissen die ganzen erstgeborenen raus, die einheimischen, die mountenbaiker, nichtraucher, hausverstandler und die heut-gemma-treibhaus-an-superlässigen-afrikaner schauer und das abo-publikum und die mussolinikinder vom christkindlmarkt schmeiss ma aussi und alles verbieten und alles zusperren juhu (plus den weekender wieder aufsperren um sofort nochmal zuzusperren weils so schön war) alles und dann endlich linkes bergsteigen und bio watten und kommune und kunst und basisdemokratie und diktatur und durchdrehen wie alle vor uns, bergdeppat werden, zehnttausend kinder in die welt setzen wo keiner weiß wem die gehören dass es nur so tuscht und kracht ein großes gebrüll zack bumm auffi awi

top ten coolste / langweiligste torhüter aller zeiten

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top ten coolste torhüter aller zeiten

10. Bernard Lama
9. Petr Čech
8. Walter Zeman
7. Manuel Neuer
6. Jerzy Dudek
5. Gigi Buffon
4. Bert Trautmann
3. José Luis Chilavert
2. Hope Solo
1. Nadine Angerer

top ten langweiligste torhüter aller zeiten

10. Hugo Lloris
9. Edwin Van der Saar
8. Cláudio Taffarel
7. Walter Knaller
6. Robert Almer
5. Bodo Illgner
4. Marc Andre ter Stegen
3. Iker Casillas
2. David DeGea
1. Stefan Klos

top 3 crazy / spooky

3. Oliver Kahn
2. Jens Lehmann
1. Alexander Manninger

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silent please

nur amerika die ganze zeit. seit cola ist die welt nicht mehr so stars and stripes gewesen. obwohl ich eh immer nur usa, nix asien, nix afrika. kenn ich null. kann aber eh kein spanisch. und doch: the forgotten ones, the silent m. wie konnte das passieren? versteh ich nicht. mir haben sich die amis nämlich seit ich denken kann dermaßen ins hirn gebrannt, wie könnte ich die je vergessen? aber jetzt sagen alle die forgotten ones. die, die im kernland wohnen. und die elitären ost- und westküstler fliegen lachend über sie hinweg. zum genderseminar oder zum anderen nächsten luxusproblem. die fly overs, also die, über die drübergeflogen wird, nennt sie schwanz des jahres werner herzog in den gottgleichen interviews, die er zur zeit in österreich fleissig gibt (weil retrospektive in wien). die fly overs. damit ist wohl die weiße mittelschicht gemeint, das herz amerikas. die einen job haben anstatt dass sie im gefängnis sitzen. natürlich rächen sich die jetzt, sagt menschenkenner herzog. weil die elite so deppat rumgelacht hat! wo uns doch geschichte lehrt: wir werden sehen, ob die, die heute lachen, morgen auch noch lachen werden! also irgendwie völlig logisch, dass die jetzt unten treten, hört man so aus dem herzog raus. selber schuld die blöden aufgeklärten elitären, die in ihren prekariatsjobs, in ihren 15 quatratmeter zimmern im schnäppchenladen ny city leicht lachen haben. das ist supertotallogisch. ach der herzog. der mit dem zum tode verurteilten von mann zu mann geredet hat in seiner zelle. von mann zu mann. wie man eben mit solchen leuten reden muss. da ist er nicht unstolz darauf. weil: das kann nur er. überhaupt kann vieles nur er. er ist der beste, das weiß er, und weils jetzt internet gibt wissens alle anderen auch. die fly overs zb, die sonst ja nur schrott zu sehen bekommen haben in ihren kinofreien kaffs, die sehen jetzt herzog auf kinox.to und das tor zum himmel öffnet sich.
gottseidank bin ich selbst noch so fit im schritt, dass ich bei herzogs schnarchi schnarchi filmen nach zwei minuten wegpenne. selbstschutz schlaf. appropos schlaf. kim kardashian hat die lustige statsitik getwittert, dass ca 500 mal mehr amis beim aus dem bett fallen sterben, als durch islamistische einwanderer. also, liebe stars and stripes, aufwachen! schlafen ist tödlich. man sieht ja was passiert ist, nachdem onkel werner die ganze mittelschicht eingeschläfert hat. sofort hitler 2.
außerdem in franz fake news: marc terenzi gewinnt das dschungelcamp. hat auch trump gewählt der mann und ist natürlich der harmloseste und netteste kerl im real life. bezeichnend für überhaupt alles auf der welt ist, dass der standard könig terenzi zum anti-trump ausruft: „Verdient gewonnen hat dann Marc Terenzi, der sich in den zwei Dschungelwochen als Anti-Trump Sympathien erworben hat: freundlich, zupackend, teamfähig.“ ist das eigentlich noch postmodern oder schon postfaktisch? oder aber ist es widersprüchlich und also ganz real und wahrer als der hate? dann aber alle jetzt mal das maul halten über die trump wähler! sind good people! ich sag jedenfalls immer: wer bei amazon einkauft soll die fresse halten. überhaupt sollen alle mal die fresse halten. weil ich kann nicht weghören!
nur mehr eine sorte butter, nur mehr eine sorte milch. freiheit abgeben, entscheidungsfreiheit abgeben, damit nicht jeden tag zehntausende krepieren. nur mehr eine butter, eine einheitsbutter, dann ist er weg der trump! ich flehe, dass alle wieder so still sein werden, wie sie es in den letzten jahren auch waren. die silents sollen wieder ganz silent werden. und alle anderen auch.

Top 25 Promi-Todesfälle 2016

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Liste Fritz:

01 George Spencer Brown
02 Zsa Zsa Gabor
03 David Bowie
04 Carrie Fisher
05 Jo Cox
06 Bud Spencer
07 Sigi Maron
08 Ilse Aichinger
09 Muhammad Ali
10 Fidel Castro
11 Prince
12 Trifon Iwanow
13 Umberto Eco
14 George Martin
15 Brangelina
16 George Michael
17 Long Hui
18 Butros Butros-Ghali
19 David Lavery
20 König Bhumibol Adulyadej
21 Rosetta
22 Johan Cruyff
23 Markus Werner
24 Zaha Hadid
25 Schimon Peres

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Liste Franz:

01 David Bowie
02 Fidel Castro
03 Muhammad Ali
04 Nikolaus Harnoncourt / Nancy Reagan *
05 Jo Cox
06 Bud Spencer
07 Zsa Zsa Gabor
08 Zaha Hadid / Hans Dietrich Genscher / Imre Kertész *
09 Johan Cruyff
10 George Michael
11 Prince
12 Trifon Iwanow
13 Leonard Cohen
14 Chyna
15 Ilse Aichinger / Robert Vaughn / Aki Schmidt *
16 Fußballmannschaft Chapecoense
17 Pan Pan
18 Butros Butros-Ghali
19 Guy Hamilton
20 König Bhumibol Adulyadej
21 Roger Wilemsen
22 Anis Amri
23 Roger Cicero
24 Guido Westerwelle
25 Schimon Peres

* Teamwertung (am selben Tag gestorben)


Spezialpreis der Jury (lebensmensch): Markus Werner

Michael Jackson Award (gestorben am Todestag des King of Death): Manfred Deix

Lobende Erwähnung/ leider nicht Top 25:

Alan Rickman
Dario Fo
Ursula Lübbe
Götz George
Harper Lee
Peter Behrens
Erika Berger
Russischer Militärchor

außer dienst

ein bundespräsident außer dienst. es fehlt ihm was. er trauert seinem job nach. auf eigene faust besucht er firmen. die angestellten erkennen den alten mann wieder und kümmern sich liebevoll um ihn. sie lassen ihn selfies mit sich machen. er begutachtet die maschinen und die handlungsabläufe. die belegschaft schüttelt dem bundespr. a.d. die hand.
als ihn irgendwann keine firmen mehr aufnehmen, besucht er hausfrauen und lässt sich die wohnung zeigen, das bügelbrett und die waschmaschine. er fährt mit dem taxi und begutachtet das taxometer und schüttelt dem taxifahrer die hand, was zu erheblichen komplikationen führt ect.

Rest in Power Ianina

https://twitter.com/blutundkaffee

Die Selfie Falle

Singe die Verzweiflung, o Muse, des Exilanten Sachmann

Die Geschichte spielt zur Zeit der großen Duelle. Oder: Die großen Duelle spielen zur Zeit mit der Geschichte. Zuerst brachte die mit Spannung erwartete und mit Entsetzen aufgenommene Wahl zum Präsidenten der Vereinigten Staaten die ohnehin schon aus den Fugen geratene Weltlage zusätzlich ins Taumeln - und bereits einen Monat später sollte die zwar weit weniger bedeutsame und doch ebenso symbolträchtige Abstimmung über das höchste Amt im Staate Österreich folgen. Diese wurde unter einem ehemaligen Wirtschaftsprofessor der grünen Partei und einem schlagenden, aber leider nicht geschlagenen Mitglied der Burschenschaft Marko-Germania ausgefochten. Doch dem nicht genug! Als ob die Schicksalsgöttinen selbst (oder war es Ares?) die Finger im Spiel gehabt hätten, erlebte das zitternde Erdenrund just in diesen wenigen Wochen zwischen den beiden Wahlen auch noch die nervenaufreibende Austragung der Schachweltmeisterschaft - zwischen dem norwegischen Titelverteidiger Magnus Carlsen, dessen latente Sozialphopie die knuddelige Attraktivität des Weltmeisters nicht schmälerte, und seinem Herausforderer Sergei Karjakin, der sich als Krimm-Bewohner immer schon als Russe gefühlt hatte, weshalb sein Verbandswechsel vom ukrainischen ins russische Lager nur wenig verwunderlich war und die Annäherung ans Totalitäre in diesen Zeiten ohnehin im Trend lag.

Der im Hamburger Ortsteil Schlump ansässige und aufsässige österreichische Exilant Ingobert Sachmann, aus seinem alpinen Geburtsland längst ausgewandert, war durch den Allgemeinzustand im Allgemeinen und den Sonderfall im Besonderen der größten Verzweiflung Opfer geworden. Der Sonderfall war ein Kniefall: Seit Monaten hielt der menschenfreundliche und wachsame Sachmann, Sohn der Jenaer Frühromantik und der Frankfurter Schule, Fan von Tina Turner und Freddie Mercury gleichermaßen, Anhänger des FC St. Pauli und Langzeitabonnent der Zeitschrift Die Apotheken Umschau, dem grünen Kandidaten zur Wahl des österr. Bundespräsidenten die Stange.
Alles hatte er über sich ergehen lassen: Die Flut rot-weiß-roter Fahnen auf allen erdenklichen Wahlplakaten, die häufigen Auftritte des grünen Wirtschaftsprofessors in Trachtengewand, etwa beim Kirtag in Altaussee (in Altausee!), den Slogan "Österreich dienen", die anschlussfähigen Fotografien von Spaziergängen im heimischen Wald mit Hund, die eifrig betriebene Rehabilitation des Begriffes Heimat, die motivierten Jungwähler, die mit Plakaten, Fahnen und Sprechchören jeden TV-Auftritt des Professors amerikanisch begleiteten; kurzum: Jeden Zungenkuss mit dem Status Quo hat Sachmann diesem seinem Kandidaten angesichts der drohenden, noch größeren Katastrophe, dem rechtsextremen Gegenkandidaten, verziehen.
Dass, wer den Grünen wählt, ebenfalls rechts wählt, sah der in Ästhetik geschulte Sachmann schon als ein unausweichliches Schicksal und als eine Prüfung der Götter an, die zu Bestehen er sich gerüstet glaubte. Doch weitere Tiefschläge folgten, die Prüfungen wurden herkulesker. Eine Selfie-App raubte Sachmann den Atem und beinahe den Verstand. Immer und überall, drohte die App auf der Website seines Kandidaten, könne man nun ein Selfie machen mit dem Professor, könne sich hineinprojizieren in die virtuelle Realität und sich anschmiegen an den für jedermann verfügbaren sich Fügenden. "Sie können aus sechs verschiedenen Motiven des Präsidentschaftskandidaten wählen: staatsmännisch, hemdsärmelig, beim Wandern oder im Tiroler Kaunertal." Sachmann zitterte. Das Gefühl einer tiefen Beleidigung seiner Intelligenz gab dem Enttäuschten paradox Selbstwert. Er nahm es persönlich. Noch ist nicht alles abgestorben in mir, dachte Sachmann und wankte.
Auf die Füße kam er nicht mehr. Weil: Die Selfie-App noch im Nacken, knüpften die Kommunikationsstrategen in der Wiener Wahlkampfzentrale Sachmann bereits einen weiteren gordischen Knoten in den Weg. Ein Video war es, das Sachmann schließlich zu Fall brachte. Umfallen, liegen bleiben.
Das Video: Ein Streifzug durch die heimatliche Heimat. Strahlende Gesichter. Gezeigt werden Erntehelfer, die keine sind. Dann Kühe, Berge, Würstelstand. Chöre und Musikkapellen. Kinder. Dazwischen der Professor unter Hunden und Volk. Musikalisch untermauert mit der sogenannten heimlichen Hymmne "I am from Austria". Dieses Lied kann seit seinem Bestehen keiner Vereinnahmung trotzen, was nicht an den nationalistischen Krallen der Vereinnahmer liegt, sondern am mangelnden Immunsystem des flachen Schlagers selbst. Dazu eingeblendet die Textzeile: "Sie haben es in der Hand zu entscheiden in welche Richtung unsere Heimat geht." Ha! dachte Sachmann. Welch Hohn. Die Würfel sind längst gefallen. Die Wahl ist keine mehr. Er entschloss sich, seine bereits ausgefüllte Wahlkarte nicht abzuschicken und machte sich wie jeden Montag auf zum Schach mit Agnes Minks.
Sie spielten seit Jahren miteinander und beide gleich gut, nämlich mäßig. Man war sich sympathisch. Die Bindungen sind tief, wo auch die Erwartungen es sind.

- Frau Minks! rief Sachmann. Ich kann nicht mehr! Wohl fühlt er sich in einer Lederhose, hat der Wirtschaftsprofessor gesagt. Dass es ihm gar nicht schwer fällt Tracht zu tragen, hat er gesagt! Weil er aus dem Dorf kommt. Ich komme auch aus dem Dorf und seien Sie versichert: Mir fällt es schwer.
- Es steht jedem frei eine Tracht zu tragen, aber auch jedem frei eine Tracht nicht zu tragen. Wenn aber das Nichttragen schon der Rechtfertigung bedarf, dem vorauseilenden Gehorsam, ist das Marschgetrommel nicht mehr weit - pflichtete ihm Minks bei. Das beflügelte Sachmann.
- Der Zweck heiligt die Mittel, denken die Wahlkampfstrategen, diese Sirenen der Einheit. Welch fataler Irrtum! Sie glauben sich so gut und richtig, dass es nichts gibt, was sie falsch machen könnten. Es gibt kein falsches Leben im richtigen denken sie und denken verkehrt.
- Dass es für den, der auf die Sirenen hört kein Zurück mehr gibt, sei ein Übersetzungsfehler, sagen manche. Lassen Sie die Hoffnung nicht fahren Sachmann!
- Die Segel sind gehisst, aber der Wind bleibt aus. Nichts das mich antreibt. Auch meine Fallschirme sind verbraucht. Ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr. - klagte Sachmann und sank erschöpft auf seinen Stuhl.
Sachmann zog die weißen Steine, Spanische Eröffnung. Minks antwortete nicht wie gewohnt mit der geschlossenen Verteidigung, sondern mit der offenen. Springer auf e4.

- Sachmann fuhr fort: Nun scheint jedes Mittel rechts. Die Selbstzensur ist die größte, obwohl das offen zur Schau gestellte Kettenrauchen des Wirtschaftsprofessors doch ein Schritt in die dem Zeigeist entgegengesetzte Richtung wäre. Warum dieser Spur nicht folgen? Die unehelichen Kinder auf dem Dorfe haben heute bessere Karten als ein linkes Gedankengut, das zum Schandmal erklärt wird. Ab in den Keller zu den anderen Leichen! Typisch österreichisch! - empörte sich Sachmann.
Sie tauschten Läufer ab und Sachmann war am Damenflügel angeschlagen. Er brachte seinen Springer am gegnerischen Königsflügel trotzig in Stellung.
- Jetzt wird der Ausnahmezustand ausgerufen, wo doch der Weltenterror täglich waltet. Immer noch verhungern etliche stündlich. Wer davon spricht wird heimlich ausgelacht. Ein alter Hut, sagen die Konformisten und belächeln den, der zwar vielleicht ein Herz hat, aber kein Hirn mehr, das ihnen Vernunft scheint. Lieber über Rassismus reden, als über den selbst produzierten täglichen Beitrag zum Genozid. Ups, dieses Wort! Entschuldigung. Die Wortwahl ist schlimmer als die Unerträglichkeit des Bezeichneten, nicht wahr? Verhängnisvoller ist es Neger zu sagen, als einen umzubringen! - Sachmann verlor die Fassung.
Er starrte auf das Schachbrett in drohender Ermattung. Minks wollte seine Hand nehmen, ließ jedoch davon ab. Sie setzte ihn mit Turm c6 unter Druck und sagte sachte und zugleich bestimmt:
- Sachmann! Ich bitte Sie! Ihre Verzweiflung ist berechtigt, ebenso Ihre Wut. Aber Ihr Scharfsinn leidet. Vergessen Sie nicht: Wer denkt, ist nicht wütend. Und Sie wissen, von wem dieses Zitat stammt. Bewahren Sie also Haltung!
Sachmann spielte nach einer sehr langen Pause einen unbedeutenden Zug mit einem Bauern, der sein Stellungsspiel nicht stärkte. Dann fuhr er fort.
- Diese fitten Konformisten sind es, die sich jetzt, angesichts des größeren Übels, alles erlauben können. Endlich können sie ihr biederes Ja zur Welt, ihr aus dem Weg schaffen aller Widersprüche voll ausleben - und wer nicht mitmacht, wer nicht einstimmt in den Chor, wo scheinbar jede Stimme zählt, wird als Mitschuldiger verurteilt. Wer nicht wählt muss schweigen, hat sein Bürgerrecht verwirkt, drohen die Überzeugten. Ich kenne diese Leute. Geistesfeinde sind sie. Umarmer. Designer. Steigbügelhalter für weitaus Schlimmeres! Was heute salonfähig gemacht wird um den Burschenschafter zu verhindern, wird morgen weit übleres ermöglichen.
Sachmann hob die Tarnung auf. Ein Damenopfer hätte ihm Raum verschafft, er schlug aus. Heute nicht, dachte er.

- Was Sie sagen Sachmann ist genau so wahr wie falsch. Das zumindest sei Ihnen zugestanden. Doch wenn schon die Mundtotmacher der guten Sache keinen Widerspruch dulden, tuen Sie es! Judith Butler hat gesagt, man soll Clinton wählen, aber am nächsten Tag gegen sie protestieren. Das nennt man in Widersprüchen denken, Sachmann! Haben Sie das verlernt? Das Nichtverstehen darf genauso wenig Kapitulation sein, wie das bedingungslose Nein. Negative Dialektik!
Dagegen konnte Sachmann nichts einwenden.
- Das bin ich geworden? Zu dumm zum Nicht-Verstehen? - fragte er mehr sich selbst als sein Gegenüber, während er mit Springer auf g2 trabte.
- Nicht zu dumm, nur zu müde - sagte Agnes, und hätte Ingobert hinzugefügt, wenn sie denn per Du gewesen wären.

Sachmann konterte: Als Homosexuelle sich die Diffamierung "Queer" angeeignet haben, war das eine Ermächtigung. Als sich der grüne Professor den Begriff Heimat angeeignet hat, war das ratlose Selbstaufgabe. Die Umdeutung blieb aus.
- Das wäre allerdings die für den Professor charmante Interpretation. Vielleicht schlummert ja tatsächlich die Sehnsucht nach Echtheit, Stolz und Vaterland in ihm. Das sich fallen lassen ist auch Ihr Wunsch.
- Was spielts für eine Rolle? Das Amt ist symbolisch, und die Symbole sind eindeutig. Meine Angst ist eine andere: Werden die Vokabeln, die jetzt in die Mitte rücken, jemals wieder in Frage gestellt werden? Wer nicht in zügiger Gewinnmaximierung sondern historisch denkt, muss sich doch fragen: Was sind 4 Jahre Schreckensherrschaft im Vergleich zu einer ganzen Generation, die der Alternativlosigkeit ausgeliefert wird? Die Geister die man ruft, Minks!
- Schon wieder sind Sie kulturpessimistisch Sachmann!
- Dabei bin ich doch für den Fortschritt! Nicht alle, die sich in der Vergangenheit warnend zu Wort gemeldet haben, hatten unrecht.
- Aber alle, die gesagt haben, dass jetzt die Welt untergeht schon.
- Nein. Die hatten alle recht.
- Ach Sachmann. Wählen Sie, der Sie leicht reden haben. Sie haben keine Repressalien zu befürchten, keine Abschiebung, niemand wird aus rächender Euphorie ihr Heim anzünden. Check your privilege! Tappen nicht auch Sie in die Selfie-Falle. Tun Sie es für die Anderen.
- Die Anderen? Ach Frau Minks. Ich möchte auch wieder fröhlich sein, lustig. Mich auf der richtigen Seite wähnen.
- Die Tiroler sind lustig, die Tiroler sind froh, nicht wahr?
- Sagt man. Aber ich dachte immer in der Ferne lacht es sich leichter. Doch die Wahrheit ist: nur leiser.
- Wählen Sie Sachmann! Sie werden es sich nicht verzeihen, aber die Geschichte schon.
- Nicht die meine. - sagte Sachmann und bot Remis an. Minks lehnte mürrisch ab und Sachmann gab nach drei Zügen auf.

In der Nacht wurde er von unruhigen Träumen geplagt. Die Bauern rücken im Gleichschritt vor. Stiefel auf Beton. Die Springer scheuen, die Läufer tanzen, die Türme brennen. Alles vermischt sich zu Gebrüll. Er wird überrannt. Das Damenopfer, reute es Sachmann im Schlaf, das Damenopfer! Hätte ich doch, hätte ich doch! Er erwachte, stand auf, nahm am Schreibtisch Platz und besah erneut das ausgefüllte Wahlkuvert. Er überlegte hin und her, legte es beiseite und schlief erneut ein.

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