Samstag, 15. Dezember 2012

who says its my first time?

james bond 007: skyfall
sam mendes, der von steven lincolnistsicherscheißeohnedassichesgesehenhabe spielberg zum film geholt und mit american beauty sein oscar prämiertes debut inklusive drehbuch von true blood autor allen ball gab, hat da einen wirklich schönen james bond zusammengebastelt in dem es vor allem um eines geht: james bond. was batman hätte sein können, der beste traditionsaction des jahres, wurde so also skyfall und gerade dieser vergleich macht sie sicher und zeigt auf, wie man einem flim macht, in dem es um die rolle eines antiquierten genrehelden in unserem ach so digitalen zeitalter geht. dabei hat mendes fleißig von nolan abgeschaut. vor allem javier bardem erinnert stark an heath ledgers joker und verkörpert aufgrund der folgen einer zyankalikapsel-bekannschaft gleichzeitig two face. dem nicht genug: auch james bond ist ein waisenkind (welche M zufolge immer die besten rekruten sind). und da ist auch das dunkle loch, in dem sich bond, ähnlich wie der fledermausmann, zurückzieht um seine kindheit auszumerzen. aber bond ist härter. die figur und der film. während der dark knight mit den oldies freeman, cane und nomen est omen oldman ins unnötige moral und tränen gesülze abtriftet und immer wieder diese unausgegorene frage nach recht und unrecht in den raum wirft, nur um am ende stets zum einwandfreien übermenschen batman zurückzukommen und also überhaupt nicht differenziert ist, geht dieser kelch an bond vorüber. grund dafür ist die pragmatische iron lady M, perfekt besetzt mit judy dench, die zeigt wie oldies goldies sein können und die ihren 007 in der anfangssequenz gleich mal abknallen läßt. muss es sein? es muss sein! auch bardem hat unter der härte von dench gelitten und ach ja: da stirbt ja gleich noch ein agent gleich zu beginn des filmes, weil die mi6 festplatte halt wichtiger ist. schön ist nicht, dass dench diese ihre haltung so konsequent durchzieht, sondern dass sie diese haltung bis auf einen unnötigen kommentar am ende überhaupt nicht in frage stellt. so bleibt uns diese pseudo ausverhandlung der großen moral-fragen gottseidank erspart. das auch deshalb, weil skyfall immer wieder darauf hinweist, dass wir im bond universum sind, im kino also, jedoch nicht, ohne sich über aktuelle probleme gedanken zu machen.
im zeitalter von wikileaks gibt es keine geheimnisse mehr, eine pikante veröffentlichung auf youtube kostet gleich mal 5 agenten das leben. wie also noch geheimagent in einer welt sein, in der es keine geheimnisse mehr gibt? M hat eine klare antwort: wir wissen nicht mehr über die welt als früher, ganz im gegenteil: wir kennen unsere feinde nicht mehr. es könnte jeder sein. terrorismus web 2.0 also. darauf reagiert der mi6 zwar durch die besetzung von q mit einem, gottseidank nicht zu comedyhaften jungen computernerd, stellt aber die oberste prämisse nicht in frage: irgendjemand muss immer noch den abzug drücken. warum? ganz einfach: weil wir james bond nicht zu grabe tragen wollen. der film verortet sich selbst nicht nur in der bond, sondern der ganzen kino tradition. die film-zitate wuchern nur so, ich hab sicher nur die wenigsten erkannt. aber wenn da einer mit einem hubschrauber angeflogen kommt, aus dem lautstark musik dröhnt, läutet selbst bei mir der quote-button. (wolfgang schmitt jun fielen auch noch eine ganze menge hitchcock zitate auf und natürlich das brennende haus am schluß: opfer). skyfall erzählt davon, dass auch bond ist ein teil der kinogeschichte ist, was nicht nur auf einer formalen ebene sondern auch innerdiegetisch verhandelt wird. diese ganze selbstreferzialität ist eigentlich großartig, wird aber durch den ein oder anderen schmäh zu weit getrieben. dennoch ist es schön, dass bond sich gegen ende tatsächlich in den alten aston martin von sean connery (oder wars roger moore?) setzt und raus aufs land fährt, ins (gehasste) elternhaus. dass er aber auf ms frage, wohin es denn gehe, sagt: in die vergangenheit - das ist zuviel des guten. wir sehen es ja selbst.
aber man sieht auch, wie gut der film auf die bond struktur zuruckgreift, auf dieses immer gleiche muster: eröffnungsverfolgungsjagd - m tritt auf - q tritt auf - bondgirl tritt auf (oft eine gegenspielerin) - vergewaltigungssex - bond wird gefangen genommen - kommt frei - tötet seinen gegner. mendes zeigt, wie man dieses muster kreativ beibehält: dass bond zb einfach in die dusche der bald darauf natürlich toten sexy lady geht, das wäre in jedem anderen film nur lächerlich - aber bond darf das. noch verrückter die auferstehungsszene bei dem strand-girl (was wohl nicht unabsichtlich eine kalypso - odysseus anspielung ist. denn nach seinem irrweg kehrt bond natürlich wieder heim zu m). und der bösewicht: dreht den spieß um, indem er sich ganz in bond-manier gefangen nehmen läßt, nur um mit großem trara wieder auszubrechen. das alles muss nicht mehr erklärt werden, wir haben es schon tausendmal gesehen. das ist praktisch, und dass das praktisch ist, hat mendes gut erkannt. man kann nur hoffen, dass er noch einen 007 dreht.
was wir auch noch sehen sind wunderschöne farben (shanghai szene oder das brennendes haus als hintergrund der eiswasserszene), eine fantastische ausstattung (bond never looked better), durchwegs gute besetzungen und natürlich anständige actionszenen.
übrigens: was soll es bedeuten, dass ralph finnes nach dem ss-offizier goeth und dem oberbösling voldemort nun den mi6 chef spielt? eine leise kritik am kriegs- und überwachungsstaat, der england ist und bleibt? nein quatsch, natürlich nicht. gerade skyfall feiert großbritannien mehr denn je und dass der queen ihr thronjubiläum mit 50 jahre bond zusammenfällt, kann einfach kein zufall sein.
übrigens: so gut bardem auch spielt, ist seine verkörperung des pervertierten schwulen bösewichts einfach nur scheiße und deplaziert. auch wenn das auch ein bond-zitat ist und auch wenn bond auf seine eigenen homoerotischen erfahrungen anspielt (who says ists my first time?). sehr sehr schade. muss es sein? es muss nicht! god shave the queen.

leistung und vergnügen

Franz-Xaver Franz Drama-Queen

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