Hurt oder My swedish Friends
Der gebürtige Malteser und ehemalige Fußballprofi Shaun Astarita, wir treffen ihn bei seinem Besuch im Wiener Zoo Schönbrunn, staunt beim Eintritt in das Reptilienhaus nicht schlecht, als er die dortigen Aquarien erblickt: Na Wohnsinn! Diese großen Aquarien, so groß wie ein Tor, denkt Astarita, da möchte man gerne hineinschießen! Alles würde dann herausfließen. Rein mit dem Ball und raus mit allem Anderen! Alles muss immer hineingehen, ab durch die Mitte! Hinten und vorne muss alles immer hineingehen, so wie auch alles hinten und vorne wieder herauskommt. Das ist die Natur, weiß Astarita. Einen Ball, einen Ball will er haben. Das gäbe ein lautes TschaggBum, wenn ich die Scheibe von dem riesigen Aquarium da kaputt schießen dürfte. Ja, wir wissen, beim Astarita ist das was anderes, als wenn das ein Lausbub oder ein anderer Ausländer tut. Immer mit dem Kontext im Augenwinkel denken! Aber die wissen gar nicht, wen sie vor sich haben! Beim 1. Simmeringer SC hat er dabei sogar gespielt! Quasi hier um die Ecke! Das waren aber doch ganz andere Zeiten damals, und es war nicht alles schlechter. Ach, ist das schon wieder lange her. Oder: Ach, ist das schon wieder so lange her? Heute ist alles anders. Das weiß auch Astarita. Der gebürtige Malteser denkt daran, dass er vor dem Computer immer öfter die Hose auszieht und die Unterhose auszieht. Wenn er nicht aufpasst, dann sind da die braunen Streifen auf dem Polster. Dagegen weiß er sich aber auch nicht zu helfen. Die Haushälterin darf nur nichts davon erfahren! Das Polster ist aber am Stuhl festgebunden, das Polster ist weiß! Er ruft an: Kommen Sie morgen nicht. Bitte, hätte er fast gesagt, aber so dumm ist er nun auch wieder nicht. Nein, nein. Ihm wird schon etwas einfallen... oder Shaun? Aber natürlich! Frau Haushälterin. Ich muss nach Österreich, ich wurde eingeladen. Sie wissen, ich habe drei Jahre lang beim 1. Simmeringer SC gespielt! Die Bilder aus dieser Zeit hängen ja bei mir an der Wand, sie kennen diese Bilder, nicht wahr? Ich nehme doch an, sie sehen sich, was sie abzustauben haben, auch an. Man kann das Notwendige oft mit dem Nützlichen verbinden. Wien, die Hauptstadt, diese berühmte Stadt. So viel Geschichte und Tradition. Verständlich, dass man da immer wieder mal eingeladen wird, das ist nun mal im Fußball so! Ich kann unmöglich sagen, wann ich jemals wiederkommen werde und rufe dann an. Auf Wiederhören! Da ist er jetzt nicht unstolz auf sich. Der hab ichs gegeben, denkt Astarita, die wird sich hüten, hier jemals wieder rumzuschnüffeln. Bravo, Bravo! Und nun: Stille. - Möchte man glauben. Aber anstatt dass da nun Stille war, war da diese Musik im Radio (im Radio?), diese verteufelte Musik, die einem nahezu alles weißmachen kann. Hat der Shaun etwa absichtlich die Stereoanlage laufen lassen. Shaun? Er dreht sich. Hier haben wir es nämlich mit einem ganz besonders schönen Lied zu tun, das der ehemalige Fußballprofi schon oft gehört hat. Auch das mag der Astarita, mal abschalten und einfach nur zuhören. Er hat auch Gefühle, schon im Fußball war das so. Ein Mittelfeldspieler, ein echter 10er (ein Ballzauberer!). Astarita setzt sich erst gar nicht. Auch zieht er seine Hose nicht wieder an. Er schließt die Augen, er dreht sich gaanz langsam im Kreis, im Rhythmus der Musik nämlich und singt mit (what have I become / my swedish friend) er breitet die Arme aus, wie Jesus, denkt bltzschnell über sein Leben nach, alles in einem Moment gebündelt und er beschließt (everyone I know / goes away / in the end): Ich fahre. Verdammt nochmal, ich fahre. Man kann das Notwendige oft mit dem Nützlichen verbinden.
Wien, wir kommen! Dada-Dadadada! Wien, wir kommen! Dada-Dadadada! Umso näher er der österr. Bundeshauptstadt, der Stadt mit der Geschichte, gekommen ist, umso öfter und im Tackt mitwippender hat er sich selber angefeuert. Aber wer beschreibt erst seine Freude, als er, am Flughafen gelandet, die ersten Schritte tat, auf heimischen Boden, hätte er fast gesagt. Hat er aber nicht. Aber gedacht hat er es sich. Und außerdem: Hier hört mich ja keiner. Hier bin ich Mensch. Ihr könnt mich mal, ihr scheiß Malteser, ach wie ich dieses Land hasse. Aber das tut ihm jetzt auch schon wieder leid. Das war eben diese erste Euphorie, Sie wissen ja. Man tut da Dinge, die man im Nachhinein wieder bereut, wir Fußballer können Ihnen ein Lied davon singen. Wir können aber auch noch ganz andere Lieder singen, ich muss ihnen schließlich nichts über das fruchtbare Verhältnis vom Musik und dem Ballsport im Allgemeinen erzählen. Aber schauen wir uns doch lieber einmal die Fische an! Die sind aber bunt, so schöne Farben!, die hier sind jedoch ganz langweilig, die sind hässlich, so ein fettes Maul, so ein Sau-Maul, was will er damit, oh, hier ein ganz großer und was ist das? Piranhas! Oh mein Gott! Astarita hüpft von einem Bein auf das Andere. Piranhas. Ja, die kenne ich wohl. Das sind die Killerfische. Was löst das bei Ihnen aus? So ein Gefühl von Vertrautheit, von Heimat. Nein. Das war die falsche Antwort. Was löst das bei Ihnen aus? Angst natürlich. Ich bin ja nicht krank! Nein, schnell weg von diesen Mördertieren. Von diesen gemeinen Mördertieren wohlgemerkt, denn es gibt ja noch ganz andere Mördertiere. Die majestätischen. Sie wissen was ich meine. Ja richtig. Der Löwe. Den Löwen hab ich gemeint. Der schöne Löwe. Der König der Tiere. Der tötet mit Sinn dahinter, nicht aus Bosheit wie diese Fische. Der kann auch mal ein Spiel alleine entscheiden, der Löwe, nicht so wie diese Gruppentiere. Das war mir auch immer wichtig, denkt Astarita, die Selbstverantwortung, grad im Spiel, wo ich noch immer sag, es sind letztlich die individuellen Unterschiede. Im Grunde kann man immer alles auf einen Nenner bringen.
Jetzt, wo ich das Reptilienhaus hinter mir habe, sehe ich keine Zukunft mehr für mich. Aber geh! Das hab ich jetzt auch wieder nicht so gemeint. Es is nur... manchmal da befällt mich so ein Gefühl, da möcht ich dann aus allem raus. Wollen Sie darüber reden? Ja. Im Grunde bin ich mit meiner Leistung zufrieden, nur das Ergebnis passt halt nicht. Sie müssen nur fest an sich glauben. Na Wohnsinn, die Giraffen! Das sind ja auch so blöde Viecher im Grunde. Ich bin aber zufrieden. Was ist jetzt wohl mit dem Polster? Mit den braunen Streifen, da kann ich nie wieder zurück. Die Giraffe ist ja ein Vegetarier und nichts gegen meinen Löwen. Ich bin aber auch für die Artenvielfalt. Ich ruf die Dings an, die Frau Haushälterin. Nein! Bist du verrückt? Das tust nicht. Die scheißen da einfach auf den Boden in ihrem Käfig, die ganzen Tiere. Der ehemalige Fußballprofi denkt immer daran, was gewesen wäre, wenn sich einer von den anderen einmal in die Hose geschissen hätte, mitten im Spiel, oder beim Elfmeterschießen. Beim Elfmeterschießen hätte ich dem Torwart gerne eines hineingeschossen, während er die ganze warme Scheiße in der Hose gehabt hätte und nicht nur ich. Da beißt der Astarita jetzt ganz fest seine kleinen Zähne zusammen und klatscht in die Hände. Immer mit der Gaga in der Hose. Ich gehe wieder ins Reptilienhaus. Oder nach Hause. Ins Hotel und dann hinauf zum 1. Simmaringer SC, zum Sportplatz. Ich gehe zum Sportplatz und lasse mich feiern. Und dann kaufe ich mir ein Aquarium. Vielleicht kann mir das dann die braunen Streifen verdecken.
Gott im Himmel, lass mich nie mehr zurück kehren.
[erste, unvollständige aber vielleicht letzte endgültige fassung]
Wien, wir kommen! Dada-Dadadada! Wien, wir kommen! Dada-Dadadada! Umso näher er der österr. Bundeshauptstadt, der Stadt mit der Geschichte, gekommen ist, umso öfter und im Tackt mitwippender hat er sich selber angefeuert. Aber wer beschreibt erst seine Freude, als er, am Flughafen gelandet, die ersten Schritte tat, auf heimischen Boden, hätte er fast gesagt. Hat er aber nicht. Aber gedacht hat er es sich. Und außerdem: Hier hört mich ja keiner. Hier bin ich Mensch. Ihr könnt mich mal, ihr scheiß Malteser, ach wie ich dieses Land hasse. Aber das tut ihm jetzt auch schon wieder leid. Das war eben diese erste Euphorie, Sie wissen ja. Man tut da Dinge, die man im Nachhinein wieder bereut, wir Fußballer können Ihnen ein Lied davon singen. Wir können aber auch noch ganz andere Lieder singen, ich muss ihnen schließlich nichts über das fruchtbare Verhältnis vom Musik und dem Ballsport im Allgemeinen erzählen. Aber schauen wir uns doch lieber einmal die Fische an! Die sind aber bunt, so schöne Farben!, die hier sind jedoch ganz langweilig, die sind hässlich, so ein fettes Maul, so ein Sau-Maul, was will er damit, oh, hier ein ganz großer und was ist das? Piranhas! Oh mein Gott! Astarita hüpft von einem Bein auf das Andere. Piranhas. Ja, die kenne ich wohl. Das sind die Killerfische. Was löst das bei Ihnen aus? So ein Gefühl von Vertrautheit, von Heimat. Nein. Das war die falsche Antwort. Was löst das bei Ihnen aus? Angst natürlich. Ich bin ja nicht krank! Nein, schnell weg von diesen Mördertieren. Von diesen gemeinen Mördertieren wohlgemerkt, denn es gibt ja noch ganz andere Mördertiere. Die majestätischen. Sie wissen was ich meine. Ja richtig. Der Löwe. Den Löwen hab ich gemeint. Der schöne Löwe. Der König der Tiere. Der tötet mit Sinn dahinter, nicht aus Bosheit wie diese Fische. Der kann auch mal ein Spiel alleine entscheiden, der Löwe, nicht so wie diese Gruppentiere. Das war mir auch immer wichtig, denkt Astarita, die Selbstverantwortung, grad im Spiel, wo ich noch immer sag, es sind letztlich die individuellen Unterschiede. Im Grunde kann man immer alles auf einen Nenner bringen.
Jetzt, wo ich das Reptilienhaus hinter mir habe, sehe ich keine Zukunft mehr für mich. Aber geh! Das hab ich jetzt auch wieder nicht so gemeint. Es is nur... manchmal da befällt mich so ein Gefühl, da möcht ich dann aus allem raus. Wollen Sie darüber reden? Ja. Im Grunde bin ich mit meiner Leistung zufrieden, nur das Ergebnis passt halt nicht. Sie müssen nur fest an sich glauben. Na Wohnsinn, die Giraffen! Das sind ja auch so blöde Viecher im Grunde. Ich bin aber zufrieden. Was ist jetzt wohl mit dem Polster? Mit den braunen Streifen, da kann ich nie wieder zurück. Die Giraffe ist ja ein Vegetarier und nichts gegen meinen Löwen. Ich bin aber auch für die Artenvielfalt. Ich ruf die Dings an, die Frau Haushälterin. Nein! Bist du verrückt? Das tust nicht. Die scheißen da einfach auf den Boden in ihrem Käfig, die ganzen Tiere. Der ehemalige Fußballprofi denkt immer daran, was gewesen wäre, wenn sich einer von den anderen einmal in die Hose geschissen hätte, mitten im Spiel, oder beim Elfmeterschießen. Beim Elfmeterschießen hätte ich dem Torwart gerne eines hineingeschossen, während er die ganze warme Scheiße in der Hose gehabt hätte und nicht nur ich. Da beißt der Astarita jetzt ganz fest seine kleinen Zähne zusammen und klatscht in die Hände. Immer mit der Gaga in der Hose. Ich gehe wieder ins Reptilienhaus. Oder nach Hause. Ins Hotel und dann hinauf zum 1. Simmaringer SC, zum Sportplatz. Ich gehe zum Sportplatz und lasse mich feiern. Und dann kaufe ich mir ein Aquarium. Vielleicht kann mir das dann die braunen Streifen verdecken.
Gott im Himmel, lass mich nie mehr zurück kehren.
[erste, unvollständige aber vielleicht letzte endgültige fassung]
Lebensmensch - 2011-02-15 18:12