Donauwalzer II
Der Donauwalzer in allen Facetten
Kapitel Zwei: Zahnarzt.
Wie lang wird denn das noch dauern? Seit einer Stund sitz ich schon da. Soll ich noch mal das Kirchenblattel lesen? Herrgott, das hat jetzt diese alte Frau. Was der wohl fehlt? Hat sicher schon die Dritten und stiehlt Notfällen wie mir die Zeit. Nur gut, dass ich vorher dran bin! … Ein bisserl Angst hab ich schon. Ich hoff nur, dass die Spritzn gut wirkt. Nur keine Schmerzen will ich haben, der Rest ist mir eins. Am liebsten hätt ich gleich zwei Spritzn, aber da trau ich mich nicht fragen. Die lacht mich noch aus, die Ärztin, die Frau Doktor. An Mann hab ich nicht gfunden, so auf die Schnelle. Man muss nehmen, was kommt, sag ich immer. Nur komisch, dass die so kurzfristig an Termin frei gehabt hat, das beweist, dass zu der keiner kommen will. Nur die Alte da, die weiß aber nicht mehr was sie tut und ich armer Depp. Aber es ist ein Notfall! Ein Not-Fall! Hauptsach, die nimmt mir die Schmerzen, eine Korrektur lass ich dann beim Dr. Sulzner machen.
Endlich.
Die sagt kein Wort, die Frau Doktor, macht den Mund nicht auf. Würd ich auch nicht, wenn ich könnt. Auch die Assistentin redet nichts. Die darf nicht, weil sie nur Unsinn redet. Für jedes Wort das sie sagt, bekommt sie von der Chefin nach Dienstschluss eine geknallt. Wenn sie selbst Zahnärztin werden will, geschieht ihrs nur recht und wenn nicht, dann auch. So wie die mit dem Schlauch herumfuhrwerkt... Jesus Maria und Josef. Die saugt mir ja tatsächlich noch den letzten Tropfen Spucke aus der Goschn, wie ein Vampir. An was die jetzt wohl denkt? Vielleicht stellt sie sich mich grad nackt vor, da in dem Stuhl und womöglich noch anbunden, dass ich mich nicht wehren kann. Das würd dir gefallen, gell? Aber so schnell schießen die Komantschen nicht, wie der Assinger sagen würd. Schad, dass der sich so mit dem Maier gestritten hat, das mag ich nicht. Grad jetzt wärs so wichtig. Jetzt reiß doch den Schlauch nicht so herum, du Schlampn! Da muss ich noch kotzen. Ich hab eh schon so ein ungutes Gefühl im Hals. Oje, jetzt stoßts mir schon ein bisserl auf, gleich schluck ich’s wieder. Besser. Na das wär ja eine Katastrophe, wenn ich denen da alles vollspeiben tät. Vor Schreck lässt die Zähnärztin dann noch den Bohrer los und der reißt mir die Wangen auf, während ich an meiner Kotze erstick. Die Assistentin wär ja zu blöd um einzugreifen. Die würd sich grausen und davon laufen. Und die Ärztin hätt womöglich mehr Sorg um ihren Bohrer, als um mich. Soweit darf ich’s nicht kommen lassen. Ich schließ einfach die Augen und denk an was Schönes. An eine schöne Melodie, die soll mich mitnehmen, auf eine grüne Wiese. Der Donauwalzer! Ich denk an den Donauwalzer, das ist so eine feine Melodie, dass einem das Speiben war nicht passieren kann. Ram-tatam-tam-tam ram-tatatam und ramtamtam. Ich hab mir, als ich noch jung war, vorgenommen, ein Jahr lang jeden Sonntag den Donauwalzer anzuhören, weil ich ihn in der Silvesternacht verpasst hab damals. Tam-tatatam... Obacht, ich darf nicht so mit dem Kopf wippen, sonst rutscht mir der ihr Schlauch in die Luftröhren und ich erstick zum Donauwalzer. Aber, das wär ja fast ein schöner Tod. Ein Wiener Tod. Oh du mein Wien. Der ist sicher eh schon einer weggestorben, an dem ihrem Sezierstuhl. Da kann sie der Leichen dann gleich die Goldzähn raussaugen, diese, diese, Au! Das hat wehgetan. Au, au, bitte nicht so fest, nicht bitte... Hilfe! Ich könnt ein Handzeichen geben... nein das trau ich mich nicht. Ich schau die Assistentin ganz hilfesuchend an. So. Die Augen ganz weit auf, so ist gut. Hallo. Haalloo! Es tut weh! Die schaut nicht her. Nicht in meine Augen. Ja reden kann ich so nicht, du Kalb! Mein Gott! Da muss ich jetzt durch. Alfred, sei stark! Fredi, wie die Doris sagen würd. Ach die Doris... Der Donauwalzer! Wo war ich? Ich fang nochmal am Anfang an, bei den zierlichen Geigen. Zierlche Geigen, wie schön ich reden kann, wenn ich will. Wenn ich könnte! Oh, denen könnte ich schöne Sachen sagen, den Beiden, das hören die in ihrer Praxis gar zu selten. Ich werd was ganz Schönes sagen, wenn die fertig sind. Dann hab ich so eine saubere Goschn, da sollen dann auch nur die schönsten Worte herauskullern. Ich sag was, wo die sich denken: „So einen Gast haben wir selten.“ Jawohl, Gast werden sie sagen, nicht Patient. Oder junger Herr, das wäre korrekt. „Das war aber ein feiner junger Herr.“ Aber dafür sind die zu gschert. Zum richtigen Arzt hats nicht gereicht, dann halt Zahndoktor. Alles nur wegen der Kohle. Ich werde sagen, wenn ich fertig bin: „Verehrte Fräuleins, das Vergnügen war ganz meinerseits, habe die Ehre.“ Na da werden sie dreinschauen, diese Weiber... Oh, oh oh! Da tuts ganz fest weh, ruhig bleiben, ruhig bleiben... dadadadadada.... Autsch! Nur ruhig Blut, Wiener Blut, Haha, Autsch! Herr im Himmel! Am Sonntag geh ich wieder einmal in die Kirchn, wenn ich das gut überstehe. Oder doch nicht. Glaubst ja selber nicht, Alfred, dass in die Kirchn gehst. Ich sag immer, zum rechten Glauben, brauch ich keine Kirchn. Nein, nein. Den Donauwalzer werd ich mir anhören, wenn ich daheim bin. Obwohl... was wär, wenn ich den Donauwalzer jetzt nie mehr hören kann, ohne an diese Folter da zu denken. So was solls ja geben, so eine Art Trauma. Oje oje! Daran hab ich gar nicht gedacht. Jetzt verleidet mir diese Arzthur noch den Strauß selig. Dabei kann die mit dem Strauß ja gar nichts anfangen, die mit ihrem Britpop! Von der Assistentin möcht ich gar nicht redn. Ich hab auch Angst, dass ich plötzlich einen Krampf bekomm, im Kiefer, und mein Mund ganz fest zubeißt, ohne, dass ich was dagegen tun könnte. Wenn ich in den Metallgriff von dem Bohrer da reinbeiße, na das wär grauslig. Na bitte garschen... da darf ich gar nicht dran denken. Donauwalzer! Nein halt, an den darf ich auch nicht mehr denken. Wenn ich in das Metalldings da reinbeiß, wegen meinem Krampf, dann bin ich mein restliches Leben lang behindert. Noch mehr Angst hab ich aber vor dem blind werden, na gut, das kann hier ja nicht passieren, also da müsste es schon saublöd hergehen. Aber so grundsätzlich. Blind sein, das wäre schrecklich. Das wär sogar für die Assistentin da schlimm, obwohl die sicher nichts fühlt. Aber ich bin eben sensibel. Ich mache mir eben Gedanken. Man muss immer aufpassen. Sekunden können oft über Leben und Tod entscheiden. Aber bitte, da bist dein Leben lang vorsichtig und dann bekommst du so eine Zahnärztin! Das ist ja der eigentliche Jammer im Leben, dass man letztlich immer den Zufällen ausgeliefert ist. Weil aber die Frauen heute schon überall ihre Finger im Spiel haben müssen, sogar in meiner Goschn! Nein jetzt beruhig dich Fredi, die kann ja auch nichts dafür. Es gibt auch gute Frauen.
Ich weiß noch, mein erstes Silvester mit der Tant Marie. In Bad Hall. Da haben wir getanzt, zum Donauwalzer getanzt um Mitternacht. Die Tant Marie hat mir ihren Busen so gegen das Gsicht drückt, gar nicht mehr loslassen wollt sie mich. Da muss ich heut noch dran denken. Ich weiß noch genau, wies grochen hat, wie eins von die Pferd. Und zum Abschied hat sie mir 20 Schilling in die Hand gebn und gsagt, „das ist dafür, dass du so schön zum Donauwalzer tanzen kannst.“ Im gleichen Jahr ist sie gestorben. Ach Gott, Tant Marie! Wie ich dich vermiss.
Was...? Ist schon aus? Ja das is fein. Ausspülen und spucken. So schlimm wars gar nicht. Jetzt wos vorbei ist. Die haben es wohl nur gut gemeint mit mir, die beiden. Gell Weibi, nur weils nix kannst, bist kein böser Mensch nicht. So wie ich.
Kapitel Zwei: Zahnarzt.
Wie lang wird denn das noch dauern? Seit einer Stund sitz ich schon da. Soll ich noch mal das Kirchenblattel lesen? Herrgott, das hat jetzt diese alte Frau. Was der wohl fehlt? Hat sicher schon die Dritten und stiehlt Notfällen wie mir die Zeit. Nur gut, dass ich vorher dran bin! … Ein bisserl Angst hab ich schon. Ich hoff nur, dass die Spritzn gut wirkt. Nur keine Schmerzen will ich haben, der Rest ist mir eins. Am liebsten hätt ich gleich zwei Spritzn, aber da trau ich mich nicht fragen. Die lacht mich noch aus, die Ärztin, die Frau Doktor. An Mann hab ich nicht gfunden, so auf die Schnelle. Man muss nehmen, was kommt, sag ich immer. Nur komisch, dass die so kurzfristig an Termin frei gehabt hat, das beweist, dass zu der keiner kommen will. Nur die Alte da, die weiß aber nicht mehr was sie tut und ich armer Depp. Aber es ist ein Notfall! Ein Not-Fall! Hauptsach, die nimmt mir die Schmerzen, eine Korrektur lass ich dann beim Dr. Sulzner machen.
Endlich.
Die sagt kein Wort, die Frau Doktor, macht den Mund nicht auf. Würd ich auch nicht, wenn ich könnt. Auch die Assistentin redet nichts. Die darf nicht, weil sie nur Unsinn redet. Für jedes Wort das sie sagt, bekommt sie von der Chefin nach Dienstschluss eine geknallt. Wenn sie selbst Zahnärztin werden will, geschieht ihrs nur recht und wenn nicht, dann auch. So wie die mit dem Schlauch herumfuhrwerkt... Jesus Maria und Josef. Die saugt mir ja tatsächlich noch den letzten Tropfen Spucke aus der Goschn, wie ein Vampir. An was die jetzt wohl denkt? Vielleicht stellt sie sich mich grad nackt vor, da in dem Stuhl und womöglich noch anbunden, dass ich mich nicht wehren kann. Das würd dir gefallen, gell? Aber so schnell schießen die Komantschen nicht, wie der Assinger sagen würd. Schad, dass der sich so mit dem Maier gestritten hat, das mag ich nicht. Grad jetzt wärs so wichtig. Jetzt reiß doch den Schlauch nicht so herum, du Schlampn! Da muss ich noch kotzen. Ich hab eh schon so ein ungutes Gefühl im Hals. Oje, jetzt stoßts mir schon ein bisserl auf, gleich schluck ich’s wieder. Besser. Na das wär ja eine Katastrophe, wenn ich denen da alles vollspeiben tät. Vor Schreck lässt die Zähnärztin dann noch den Bohrer los und der reißt mir die Wangen auf, während ich an meiner Kotze erstick. Die Assistentin wär ja zu blöd um einzugreifen. Die würd sich grausen und davon laufen. Und die Ärztin hätt womöglich mehr Sorg um ihren Bohrer, als um mich. Soweit darf ich’s nicht kommen lassen. Ich schließ einfach die Augen und denk an was Schönes. An eine schöne Melodie, die soll mich mitnehmen, auf eine grüne Wiese. Der Donauwalzer! Ich denk an den Donauwalzer, das ist so eine feine Melodie, dass einem das Speiben war nicht passieren kann. Ram-tatam-tam-tam ram-tatatam und ramtamtam. Ich hab mir, als ich noch jung war, vorgenommen, ein Jahr lang jeden Sonntag den Donauwalzer anzuhören, weil ich ihn in der Silvesternacht verpasst hab damals. Tam-tatatam... Obacht, ich darf nicht so mit dem Kopf wippen, sonst rutscht mir der ihr Schlauch in die Luftröhren und ich erstick zum Donauwalzer. Aber, das wär ja fast ein schöner Tod. Ein Wiener Tod. Oh du mein Wien. Der ist sicher eh schon einer weggestorben, an dem ihrem Sezierstuhl. Da kann sie der Leichen dann gleich die Goldzähn raussaugen, diese, diese, Au! Das hat wehgetan. Au, au, bitte nicht so fest, nicht bitte... Hilfe! Ich könnt ein Handzeichen geben... nein das trau ich mich nicht. Ich schau die Assistentin ganz hilfesuchend an. So. Die Augen ganz weit auf, so ist gut. Hallo. Haalloo! Es tut weh! Die schaut nicht her. Nicht in meine Augen. Ja reden kann ich so nicht, du Kalb! Mein Gott! Da muss ich jetzt durch. Alfred, sei stark! Fredi, wie die Doris sagen würd. Ach die Doris... Der Donauwalzer! Wo war ich? Ich fang nochmal am Anfang an, bei den zierlichen Geigen. Zierlche Geigen, wie schön ich reden kann, wenn ich will. Wenn ich könnte! Oh, denen könnte ich schöne Sachen sagen, den Beiden, das hören die in ihrer Praxis gar zu selten. Ich werd was ganz Schönes sagen, wenn die fertig sind. Dann hab ich so eine saubere Goschn, da sollen dann auch nur die schönsten Worte herauskullern. Ich sag was, wo die sich denken: „So einen Gast haben wir selten.“ Jawohl, Gast werden sie sagen, nicht Patient. Oder junger Herr, das wäre korrekt. „Das war aber ein feiner junger Herr.“ Aber dafür sind die zu gschert. Zum richtigen Arzt hats nicht gereicht, dann halt Zahndoktor. Alles nur wegen der Kohle. Ich werde sagen, wenn ich fertig bin: „Verehrte Fräuleins, das Vergnügen war ganz meinerseits, habe die Ehre.“ Na da werden sie dreinschauen, diese Weiber... Oh, oh oh! Da tuts ganz fest weh, ruhig bleiben, ruhig bleiben... dadadadadada.... Autsch! Nur ruhig Blut, Wiener Blut, Haha, Autsch! Herr im Himmel! Am Sonntag geh ich wieder einmal in die Kirchn, wenn ich das gut überstehe. Oder doch nicht. Glaubst ja selber nicht, Alfred, dass in die Kirchn gehst. Ich sag immer, zum rechten Glauben, brauch ich keine Kirchn. Nein, nein. Den Donauwalzer werd ich mir anhören, wenn ich daheim bin. Obwohl... was wär, wenn ich den Donauwalzer jetzt nie mehr hören kann, ohne an diese Folter da zu denken. So was solls ja geben, so eine Art Trauma. Oje oje! Daran hab ich gar nicht gedacht. Jetzt verleidet mir diese Arzthur noch den Strauß selig. Dabei kann die mit dem Strauß ja gar nichts anfangen, die mit ihrem Britpop! Von der Assistentin möcht ich gar nicht redn. Ich hab auch Angst, dass ich plötzlich einen Krampf bekomm, im Kiefer, und mein Mund ganz fest zubeißt, ohne, dass ich was dagegen tun könnte. Wenn ich in den Metallgriff von dem Bohrer da reinbeiße, na das wär grauslig. Na bitte garschen... da darf ich gar nicht dran denken. Donauwalzer! Nein halt, an den darf ich auch nicht mehr denken. Wenn ich in das Metalldings da reinbeiß, wegen meinem Krampf, dann bin ich mein restliches Leben lang behindert. Noch mehr Angst hab ich aber vor dem blind werden, na gut, das kann hier ja nicht passieren, also da müsste es schon saublöd hergehen. Aber so grundsätzlich. Blind sein, das wäre schrecklich. Das wär sogar für die Assistentin da schlimm, obwohl die sicher nichts fühlt. Aber ich bin eben sensibel. Ich mache mir eben Gedanken. Man muss immer aufpassen. Sekunden können oft über Leben und Tod entscheiden. Aber bitte, da bist dein Leben lang vorsichtig und dann bekommst du so eine Zahnärztin! Das ist ja der eigentliche Jammer im Leben, dass man letztlich immer den Zufällen ausgeliefert ist. Weil aber die Frauen heute schon überall ihre Finger im Spiel haben müssen, sogar in meiner Goschn! Nein jetzt beruhig dich Fredi, die kann ja auch nichts dafür. Es gibt auch gute Frauen.
Ich weiß noch, mein erstes Silvester mit der Tant Marie. In Bad Hall. Da haben wir getanzt, zum Donauwalzer getanzt um Mitternacht. Die Tant Marie hat mir ihren Busen so gegen das Gsicht drückt, gar nicht mehr loslassen wollt sie mich. Da muss ich heut noch dran denken. Ich weiß noch genau, wies grochen hat, wie eins von die Pferd. Und zum Abschied hat sie mir 20 Schilling in die Hand gebn und gsagt, „das ist dafür, dass du so schön zum Donauwalzer tanzen kannst.“ Im gleichen Jahr ist sie gestorben. Ach Gott, Tant Marie! Wie ich dich vermiss.
Was...? Ist schon aus? Ja das is fein. Ausspülen und spucken. So schlimm wars gar nicht. Jetzt wos vorbei ist. Die haben es wohl nur gut gemeint mit mir, die beiden. Gell Weibi, nur weils nix kannst, bist kein böser Mensch nicht. So wie ich.
Lebensmensch - 2011-02-02 20:19